Drucken

Workout 3 ist ein Kurzbericht über die Inhaltsanalyse der Rückmeldungen am Online-Dialog.

Unter dem Titel „Polyästhetische Naturwahrnehmung online?“ analysierte Gerhard Hofbauer ausführlich die Rückmeldungen der Teilnehmenden am Online-Dialog über elf multimediale Präsentationen der Studierenden der Fachhochschule NRW Köln zum Thema „In den Künsten zeigen, wie Natur berührt“ (siehe WORKOUT 2). Über die Ergebnisse wird hier kurz berichtet. Das Gesamtergebnis wird n.M. publiziert. Bei Interesse wenden Sie sich gern an „Polyästhetische Bildung International“ über unseren Kontakt-Link.

Zusätzlich zur hauptsächlichen forschenden Frage, welche Eindrücke die präsentierten Beiträge hinterließen, wurde das Antwortmaterial einer inhaltlich und sprachlich strukturellen Analyse unterzogen und führte zu Aufschlüssen, was und wie ästhetisch reflektiert wurde.

Das Thema „In den Künsten zeigen, wie Natur berührt“ bearbeitet die Internationalen Gesellschaft für Polyästhetische Erziehung seit 2019. Die Gesamtdarstellung finden Sie (unten) im Web-Beitrag „Timeline…“ Unmittelbarer Anlass für den Online-Dialog sind die multi-medialen Beiträge der Studierenden der Gakugei University Tokyo (siehe WORKOUT 1).

Methodisch folgt die Analyse wesentlichen Ansätzen Philipp Mayrings qualitativer Inhaltsanalyse[1], reflektiert an einem Überblick von Forschungsmethoden in der Erziehungswissenschaft. [2] Das Datenmaterial wurde aus den Rückmeldungen über den Chat der Videositzung extrahiert.

Die Zahl der antwortenden Teilnehmer*innen war insgesamt 34, davon studentisch 29, nicht studentisch 5. Die Anzahl der gegebenen Rückmeldungen beträgt 137. Alle Beiträge sind im Ergebnisbericht anonymisiert. Der Median und Mittelwert an Antworten beträgt jeweils 4. Das Verteilungsbild erscheint weitgehend homogen (siehe Abbildung 2 aus dem Ergebnisbericht).

Der soziokulturelle Hintergrund der Studierenden ist das Studium im Teilbereich Ästhetische Bildung im Kontext einer Ausbildung zu sozialen Berufsqualifikationen in den Lehrveranstaltungen „Den Alltag in Szene setzen“ und „Natur als Ort der Ästhetischen Bildung“ von Prof. DDr. Dietmar Jürgens.

Wie viele Rückmeldungen jede der elf Präsentationen erhielt, zeigt Abbildung 4 aus dem Endbericht, vertikal die Anzahl der Rückmeldungen, horizontal die Beiträge 1 bis 11. Auch diese Verteilung fällt moderat aus, der Mittelwert ist 12,5 und der Median beträgt 12.

 

Abb. 2: Grundmenge an Antworten je Teilnehmer*in                  Abb. 4: Anzahl an Rückmeldungen für jeden der elf Beiträge

 

Kategoriensystem

Die Inhaltsanalyse orientierte sich an der zentralen Frage „Welche Eindrücke hinterließ die Präsentation eines jeden Gruppenergebnisses bei den anderen Teilnehmenden?“
Formale Strukturierung der Daten führte zur Kategorisierung in Pädagogisches, Gestaltung, Wirkung, Inhalt, Reflexion und Externes. Die Kategorien Reflexion und Externes ergaben auch Aufschlüsse hinsichtlich des Kontexts gegebener Antworten.

Abbildung 5 aus dem Endbericht zeigt quantitativ, wie viele Passagen (vertikal) welchen Kategorien (horizontal) im Prozess der Codierung zugeordnet wurde. Der Mehrfachbezug auf 2-3 Kategorien, der sich aus etlichen Passagen ergab, ist im Endbericht ausgewiesen. (s. rechts: Abbildung 5, Verteilung der Zahl an Rückmeldungen auf die sechs Kategorien)

 Erstellung von Subkategorien

Im zweiten, kritischen Durchlauf der Analyse drängte sich eine Untergliederung der 4 Kategorien Gestaltung, Wirkung, Inhalt und Reflexion durch Subkategorien auf:

Gestaltung wurde in eine technische und eine ästhetische Untergruppe differenziert. In der Kategorie Wirkung wird zwischen kognitiv und sinnlich-ästhetischen Rückmeldungen unterschieden, in der Kategorie Inhalt zwischen Sachinhaltlichem und Ideologischem, in der Kategorie Reflexion zwischen rationalisierenden, ethisch-moralischen und psychophysischen Formulierungen.

Dieser Schritt kann als hoch effizient betrachtet werden, weil sich deutliche Qualitätsmerkmale der Rückmeldungen abzeichnen, wie zusammenfassend beschrieben und in Abbildung 8 aus dem Endbericht ablesbar ist.

Die codierten Passagen zu ästhetischen Momenten der Gestaltung betragen mehr als das Fünffache jener zu technischen Aspekten. Sinnlich-ästhetische Wirkung erhält doppelt so viele Zuordnungen wie kognitive Wirkungsaspekte. Hingegen überwiegen nahezu doppelt so viele Zuordnungen zu Sachinhaltlichem gegenüber ideologischen Inhaltsaspekten. Auch in der Kategorie Reflexion betragen die als rational codierbaren Passagen nahezu gleich viel wie die beiden Unterkategorien ethnisch-moralisch und psychophysisch zusammen.

 

Abbildung 8: Summen der den Subkategorien zugeordneten Passagen aus den Rückmeldungen

Was sich daraus klar ablesen lässt:
Ästhetischer Kontext überwiegt eindeutig gegenüber anderen Zusammenhängen. Wie weit dieses Ergebnis dem Faktum zuzuschreiben ist, dass die Lehrveranstaltungen im Fachbereich „Ästhetische Bildung“ angesiedelt sind oder der Gestaltung und Wirkung der präsentierten Beiträge, lässt sich daraus nicht ableiten. Jedenfalls gilt: Ästhetisches bewegt, berührt.

Ob sich diese Rückmeldungen zu „Ästhetischem“ nun auf mediale Gestaltung beziehen oder auf deren inhaltliche Botschaften, wie auf das Moment, „wie Natur berührt“, wird im letzten, umfangreichen Abschnitt des Endberichts untersucht und erörtert. Um die Sinninhalte der Rückmeldungen zu erhalten, schließt sich an jede Textzusammenfassung eine (im weiteren Sinne semantische[3]) Sprachanalyse nach Wortkategorien an, auf die ebenfalls interpretativ verwiesen wird.

Details dazu übersteigen die Möglichkeiten einer Kurzdarstellung. Doch einen Verweis auf das temporär bereitgestellte Analysematerial können wir anbieten. Tabelle 2 (siehe unten) aus dem Endbericht zeigt einen Ausschnitt der pdf-Datei[4], die sich zwecks Lesbarkeit beliebig vergrößern lässt.

Weiterführende Impulse

Selbstverständlich erschiene es als lohnend, auch die japanischen Beiträge einer Art Medienanalyse zu unterziehen und die deutschen Beiträge auf nachvollziehbare Spuren aus den japanischen Anregungen zu untersuchen. Bis hin zu Fragen möglichen Kulturtransfers ergäben sich daraus weitere Forschungsaspekte, die der Polyästhetik auf Grund ihrer Interdisziplinarität nicht fremd sind. Jedenfalls haben die japanischen Studierenden schon nach der Veröffentlichung der deutschen Ergebnisse nachgefragt, um der medialen Reflexion auf ihre eigenen Arbeiten nachzuspüren. Im Grunde genommen könnte man von einer modernen Form eines „hermeneutischen Zirkels“ sprechen, was sich in diesem procedere ergab und noch ergeben wird.

 

[1] Mayring, Philipp: Qualitative Inhaltsanalyse. Grundlagen und Techniken. 11. Aufl. Weinheim: Beltz, 2010 (Beltz Pädagogik).

[2] Friebertshäuser, Barbara; Langer, Antje; Prengel, Annedore (Hg.): Handbuch Qualitative Forschungsmethoden in der Erziehungswissenschaft. 3. Aufl. Weinheim: Juventa, 2010 (Juventa-Handbuch).

[3] Vgl. ebd., S. 94–95.

[4] www.paeb.org/files/dialog2022/Dialog_2022_Datenanalyse_Sammler.pdf

 

Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, Gerhard Hofbauer, (C) 2022